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Wohnbau Breitenfurter Straße 450-454, Wien/A

Die Wohnanlage in Holzmassivbauweise ist ein wahres Vorzeigeprojekt mit Hinblick auf das „Drei-Säulen-Konzept“ der Nachhaltigkeit. Sie ist die zweite Realisierung als Folge des Wettbewerbs „Holzbau in der Stadt“ von 2009.

2009 wurden im Rahmen des Bauträgerwettbewerbes „Holzbau in der Stadt“ zwei Liegenschaften zur Bebauung ausgeschrieben: eine in der Wagramer Straße/Eipeldauer Straße in Wien 22, eine weitere in der Breitenfurter Straße 450-454 in Wien 23. Der Wohnbau in der Wagramer Straße (Schluder Architektur ZT GmbH / Hagmüller Architekten) eröffnete im Februar 2013. In die Wohnanlage in Liesing zogen Mitte Juni die ersten Mieter ein. 

Die Säulen der Nachhaltigkeit
Nicht allein der intelligente Einsatz des nachhaltigen Baustoffs Holz in Form von Holzmassivbauweise ließ die Gemeinnützige Wohn- und Siedlungsgesellschaft GEWOG mit Praschl-Goodarzi Architekten (Martin Praschl und Azita Goodarzi) als Sieger aus dem Wettbewerb hervorgehen. Ebenso überzeugten der städtebaulich ausgereifte Entwurf sowie die Lösungen im Bereich der geforderten ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit.

Auf Initiative der Architekten wurde zum Beispiel das Thema „Generationenwohnen“ umgesetzt und sieben der 55 Wohneinheiten als barrierefreie Seniorenwohnungen adaptiert. Ein Pensionistenclub und eine Kindergruppe ergänzen das Angebot.

Grundlage für die Gestaltung des Klimaaktiv-Hauses bildeten Kriterien entlang des IBO-Ökopasses, die auch Nutzerqualitäten, wie Behaglichkeit, Innenraumluft oder Tageslicht und Besonnung, bewerten. Die Evaluierung der ökologischen Eigenschaften (das Ziel sind weitestgehend schadstoff- und emissionsfreie Materialien) fand im Rahmen eines erweiterten Chemikalienmanagements statt.

Das städtebauliche Konzept der Wohnanlage reagiert auf die strukturellen und topografischen Besonderheiten der Umgebung sowie auf den Kreuzungsbereich der stark befahrenen Breitenfurter und Rodauner Straße. Vor allem der Straßenlärm bildete eine planerische Herausforderung, der die Architekten mit straßenseitigen Laubengängen als effiziente Schallschutzmaßnahme begegneten.

Das Thema Holz umfassend behandeln
Mit großzügigen Balkonflächen, Terrassen (extensive Gründächer inklusive) und Mietergärten öffnen sich die beiden Bauteile zum umgebenden Grünraum. Am Bauplatz 1 (37 Wohnungen) rhythmisieren gegen die Breitenfurter Straße hin mit Isolierglas geschützte Einschnitte den Baukörper. Die Wohnungen orientieren sich hier gegen einen ruhigen, parkähnlichen Hof mit altem Baumbestand. Bauplatz 2 (18 Wohnungen) nimmt in der Baukörperproportionierung auf einen Schnurbaum Rücksicht. „Das Thema Holz haben wir eben umfassend behandelt,“ meint Azita Goodarzi.

Holzmassivbauweise mit wirtschaftlichem Achsraster
Wand- und Deckenaufbauten in Brettsperrholz (horizontal aussteifend bzw. als schubsteife Scheiben) bilden das Tragwerk der Erdgeschosszonen und der beiden Obergeschosse. In den Dachgeschossen und den laubengangseitigen Außenwänden mit geringeren konstruktiven Anforderungen sowie reduzierten schall- und brandschutztechnischen Auflagen kommt Holzriegelbauweise zum Einsatz.

In Stahlbeton ausgeführt sind die aussteifenden, vom Holzbau entkoppelten Stiegenhauskerne und Liftschächte, das Fundament sowie Teile der Erdgeschosszonen. Die in Brettsperrholz gefertigten Erdgeschossbereiche schützt ein Stahlbetonsockel vor Feuchtigkeit und Spritzwasser.

Bauen in Holz wird neben der Tragstruktur auch an den Außenflächen der Baukörper verfolgt. Überall dort, wo es die Kosten zuließen, treten die weiß verputzten Flächen in Kontrast mit Balkonen und Fassaden aus Holz. Witterungsbeständiges, unbehandeltes Lärchenholz bildet das Material der hinterlüfteten Fassaden sowie das der Balkonschalungen. Die Bodenplatten der Balkone allerdings sind aus konstruktivem Brettsperrholz in heller Fichte, über thermisch getrennte Konsolen sind sie an der Holzkonstruktion befestigt. Abgehängt wird die Konstruktion in den Randbereichen mit einem Zugstab in der Ebene der tragenden Zwischenwände.

Das konstruktive Gerüst baut in einer Art modularem Baukastensystem auf einem Achsraster von 3,00 bzw. 4,50 Metern auf. Unterschiedliche Kombinationen von Wohnungsverbänden waren so realisierbar und standen für die Mieter zur Auswahl bereit. Wären im modernen Holzbau mittlerweile weit größere Rastersysteme machbar, stand bei dieser sozialen Wohnanlage der kostengünstige Einsatz des Brettsperrholzes im Vordergrund. „Es ging hier nicht um technisch mögliche Spannweiten, sondern um möglichst wirtschaftlich effiziente,“ so Martin Praschl.

Ein besonderes Anliegen war den Architekten, einen großzügigen und flexibel gestaltbareren Eingangsbereich im Wohnungsverband bereitzustellen, der über eine reine Erschließungsfläche hinausgeht und stattdessen mit unterschiedlichen Nutzungen bespielbar ist.

Brand- und Schallschutztechnische Maßnahmen
Da die Wohnanlage mit drei Geschossen in die Gebäudeklasse 4 fällt, konnte brandschutztechnisch die OIB-Richtlinie 2 („Brandschutz“) herangezogen werden. Für Bauten aus Holz in dieser Gebäudeklasse stehen bereits geprüfte und klassifizierte Wand- und Deckenaufbauten bereit, auf die man zurückgriff. Zusätzliche aufwändige Brandschutzkonzepte waren somit nicht notwendig. Den Umstand, dass in dieser Gebäudeklasse keine geschossweisen Brandabschnitte vorgeschrieben sind, nutzten die Architekten zur Ausstattung der Wohnräume mit raumhohen Verglasungen. Lediglich die Länge jeweils eines Gebäudeteiles in Bauteil 1 und 2 machte die Ausbildung je eines Brandabschnittes notwendig, die beide mit 20 cm starken, beidseitig mit Gipskarton beplankten Brettsperrholzwänden ausgeführt wurden.

Um optimale Schalldämmwerte zu erreichen, kamen einschalige Wandsysteme mit beidseitig freistehenden Vorsatzschalen und schlanken Holzkonstruktionen zur Anwendung: die Brettsperrholzplatte der tragenden Innenwände beträgt 9 cm, die der Wohnungstrennwände 12,5 cm. Trotz der doppelten Beplankung mit Gipskartonplatten und Dämmwolle, die der Schallschutz erfordert, bleiben die Wandaufbauten im Vergleich mit herkömmlichen tragenden Massivwänden schmäler.

In den Deckenbereichen (16 bis 20 cm stark) der Wohnräume fiel die Entscheidung, die Anforderungen an den Schallschutz mit einer Schüttung zu lösen, um die Deckenuntersichten so von einer Beplankung freizuspielen und sie stattdessen in Sichtqualität ausführen zu können. Eine angenehme Optik und gute Raumluft sorgen für eine behagliche Atmosphäre der Räume und garantieren einen besonderen Wohnkomfort.

Foto:

Bruno Klomfar

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